Perspektiven Wie kommuniziert...?

Herr Dr. Telschow, wie kommunizieren Insights?

Die Kommunikation eines Insights soll vertraut wirken, um geglaubt zu werden, und überraschend, um etwas zu verändern. Dr. Stephan Telschow zeigt, wie daraus für Unternehmen eine belastbare Entscheidungsgrundlage wird – und wann sie ihnen sogar schaden kann.

Dr. Stephan Telschow
Zu Gast im Interview
Dr. Stephan Telschow
Berlin

Soziologe und Marktforscher. Der Managing Director des international tätigen Marktforschungsinstituts GIM hat mit unzähligen Konsumenten über Elektrowerkzeuge, Hautpflegeprodukte und Einkaufsgewohnheiten gesprochen. Privat geht er nur noch in Begleitung einkaufen – „Sonst dauert’s zu lange."

Herr Dr. Telschow, wie kommunizieren Insights?

Anhand interpretierter Informationen und aufbereiteter Daten. Insights sind Erkenntnisse von Marktforschung und liefern Unternehmen relevante Aussagen über das Verhalten und die Meinungen von KundInnen. Insights kommunizieren bildhaft, nutzen Storytelling und Visualisierungen. Dazu zählen kurze Videos, Dashboards oder Persona-Geschichten, in denen man Unternehmen die Zielgruppe als Person nahebringt. Unternehmen können ihre Zielgruppe einigermaßen beschreiben, aber sie kennen sie nicht wirklich gut. Deshalb holt Insights-Kommunikation die Unternehmen idealerweise dort ab, wo sie mit dem Wissen über ihre KundInnen stehen. Dafür braucht es eine balancierte Mischung aus vertrauten und neuen, überraschenden Momenten. Vor allem müssen Unternehmen mit Insights konkret etwas anfangen können – das Entscheidende ist ihre Relevanz für unternehmerisches Handeln.

Ein häufiges Missverständnis in der Kommunikation mit Insights?

Gibt es immer öfters bei generativen KI-Tools. Deren Ergebnisse sind zwar schön gegliedert und formuliert, jedoch bleibt es völlig unklar, woher das KI-Tool die Daten und somit sein „Wissen" bezieht. Beispiel Eye-Tracking: damit wird anhand von Blickerfassung die Wahrnehmung von Anzeigen oder Webseiten getestet. Schwierig aber, wenn eine dieser Anwendungen ursprünglich in Asien und folglich für eine andere Bildsprache, Schrift und Lesart entwickelt wurde. Man nutzt also die „Hilfe" eines KI-Tools, das seine Aussagen auf Basis einer Ausgangssituation generiert, die sich signifikant von unserer Realität unterscheidet. Im besten Fall sind die so gewonnen „Insights" für hiesige Unternehmen bedeutungslos, im schlimmsten Fall geschäftsschädigend.

Woran merkt man, dass die Kommunikation von Insights ankommt?

Wenn sie als Basis für unternehmerisches Handeln dienen – trägt die Idee für das neue Produkt, liegen wir mit unseren Vorstellungen richtig? Verständlich kommuniziert bewahren Insights Unternehmen vor falschen Entscheidungen und helfen, Ressourcen effizient einzusetzen.

Was Sie für Ihre Kommunikation mitnehmen können.

  • Prüfen Sie die Grundlage, nicht nur das Ergebnis. Mit KI schaut jede Auswertung professionell aus. Trotzdem kann sie auf einer Ausgangssituation beruhen, die mit Ihrem Markt wenig zu tun hat. Bevor Sie daraus Entscheidungen für Ihr Unternehmen ableiten, sollten Sie verstehen, woher die Erkenntnis stammt und ob sie auf Ihre Realität übertragbar ist.
  • Erkenntnis zeigt sich in der Entscheidung. Ob eine Information für Ihr Unternehmen relevant ist, zeigt sich daran, was Sie danach damit anfangen. Fragen Sie deshalb: Was entscheiden wir jetzt anders? Wenn daraus kein konkretes Handeln entsteht, war die Information für Ihr Unternehmen offenbar noch keine nutzbare Erkenntnis.

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Über den Autor
Tilo Friedmann
Berät Unternehmen, die nicht bekannter werden müssen, sondern erkennbarer. Seit 20 Jahren macht er sichtbar, was Kunden verlieren würden, wären diese Unternehmen plötzlich weg. Schwerpunkte: Positionierung · Differenzierung · Kundennutzen · Werbung · Unternehmenskommunikation