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Strategie, Marketing und Content für Josef Oechsle Landmaschinen

„Verbundenheit erwächst aus Vertrauen“

Im Gespräch nach Feierabend erzählt Stefan Oechsle über Zusammenhalt, Vertrauen, Mitarbeiterzufriedenheit und von einem Moment der Fürsorge in Neuseeland.

Früher Samstagabend im äl­testen, für viele auch schönsten Wirtshaus Bühls. Stefan Oechsle kommt direkt aus dem Betrieb. Eigentlich war heute ein freier Tag geplant, doch dann ist er für einen erkrankten Mitarbei­ter eingesprungen. Schwanen­wirt Philippe Schutzenbach begrüßt ihn freundschaftlich, setzt sich dazu, ,,aber nur kurz". Man kennt und schätzt sich.

Wenn man hier lebt, was ver­bindet einen mit der Region?

Die Menschen sind bodenständig, gesellig und wissen das Leben zu genießen, das mag ich. Bühl und Baden bieten dafür beste Voraus­setzungen, beschenken uns mit einer enormen Lebensqualität und grandiosen Natur. Die zu er­leben, raus zu gehen, im Garten zu sein – das ist mein Ding.

Und mit denen, die einem nahestehen, wird Region zu Heimat?

Ja, meine Familie und Freunde sind hier zu Hause. Wenn ich mit ihnen unterwegs bin, macht das die angenehmen Zeiten noch leichter. Dieser Zusammenhalt ist schön. Er zeigt sich aber vor allem in Momenten, die du nicht erle­ben magst – wie im letzten Jahr. Dann hilft es, wenn dir jemand in die Augen schaut und zeigt, dass er ohne viele Worte da ist. Auch das durfte ich die vergangenen Monate erfahren.

Verbundenheit ist auch zwi­schen Betrieb und Mitarbeitern wichtig. Wie zeigt sie sich?

um Beispiel an der Schlange vorm Grill bei uns auf dem Hof. Die Idee kam vom Werk­statt-Team. Wann immer es klappt, wird zum Wochenende angefeuert. Aber natürlich auch daran: Jedem ist bewusst, dass er bzw. sie ein wichtiger Teil des Unternehmens ist. Unsere Mit­arbeiter haben viele Freiheiten, entscheiden eigenverantwortlich. Lasse ich alles laufen? Nein, aber jedes Ding absegnen muss ich auch nicht.

Worauf basiert Kundentreue?

Auf Kompetenz, Erfahrung und der Persönlichkeit der Mit­arbeiter sowie ihrer Offenheit ge­genüber Kundenwünschen. Das muss wachsen, so etwas erarbei­tet man sich über einen langen Zeitraum.

Wie?

Man begleitet verlässlich – jahr­ein, jahraus, sogar über Genera­tionen. Man ist ehrlich, sagt „So kannst du deine Arbeit machen, wie du es dir vorstellst". Das sind wir immer, ob du Hobbygärt­ner bist, die Obstbäume vom Opa übernimmst, deinen Acker nach Feierabend bewirtschaftest oder als Landwirt einen neuen John Deere bestellst. Vor allem bei solchen Investitionen wird uns ein großes Vertrauen ent­gegengebracht. Das darfst du nicht enttäuschen. Am Ende des Tages setzen wir alles daran, dass du bei uns rausgehst und sagst „Beim Oechsle krieg ich das für mich beste Gerät, die optimale Maschine." Darauf vertrauen un­sere Kunden. Und aus diesem Ver­trauen erwächst Verbundenheit.

Ist es schwierig, dafür Nachwuchs zu gewinnen?

Für mittelständische Arbeitgeber ist die Industrie in der Region durchaus eine Konkurrenz, was Azubis und auch Fachkräfte an­geht. Wir sind dennoch gut unter­wegs und bilden meist jedes Jahr zweiLehrlingeaus:Einzelhandels­kaufmann/frau und „Master in Agricultural Engineering".

Het’s da Oechsle ned, dann het’s keiner – so ein Spruch festigt sich nicht über Likes auf Facebook oder wegen einer Hausmesse, zu der 2500 Besucher kommen. Es muss mehr passen, damit sowas in der Region zum geflügelten Wort wird.

Wann hat der Azubi Oechsle früher die Augen verdreht?

Naja, als Lehrling war ich nicht der genaueste. Heute weiß ich, dass es gerade darauf ankommt: wirklich hinschauen, jedes De­tail beachten, sich um das noch so kleine Ding kümmern. Der Kunde mag das nicht alles mit­bekommen, er findet auch keine Position „Sorgfalt" auf der Rech­nung, aber er honoriert es eben, weil seine Maschine schnell da ist, zuverlässig läuft und er – oder sie – mit der Arbeit loslegen kann.

Es reicht nicht, wenn das nur der Chef so sieht.

Richtig – deshalb funktioniert es nur mit einem Team, das gerne mit und bei dir arbeitet, sich reinhängt. Gute Unternehmen unserer Branche kommen bei der Mitarbeiterzufriedenheit auf 64 Prozent. Wir liegen drüber.

Philippe Schutzenbach: Sag schon, 75 Prozent?

Stefan Oechsle: höher . .. Das heißt nicht, dass immer alles Friede, Freude Eierkuchen ist – so würde ich das auch gar nicht wol­len. Man reibt sich, es gibt unter­schiedliche Ansichten. Aber am Ende ziehen wir gemeinsam an einem Strang.

Wie verändert sich Eure Arbeit, was wird zukünftig wichtig?

Die Technik entwickelt sich ras­ant, in wenigen Jahren wird es kaum mehr ölverschmierte Hände geben. Auch in unserer Branche zieht mehr und mehr Automatisierung ein. Das Smart­phone spielt eine immer wichtig­ere Rolle, bei Landwirten wie bei Hobbygärtnern. Für diesen Wan­del musst du offen sein, das heißt Vorteile erkennen, ohne die damit verbundenen Herausforderungen wegzuschieben. Sogar die Motor­säge wird mit dem Computer eingestellt und nicht mehr, wie ich es gelernt habe. Für die Aus­stattung unserer Werkstatt bedeu­tet das weniger Schraubschlüssel, mehr Software. Ich bin froh, dass unser Team souverän mit klas­sischem Werkzeug umgeht – und das Digitale schon exzellent kann.

Das klingt selbstsicher. Gibt es auch Zweifel?

Zweifel nicht. Man überlegt viel – was kannst Du besser machen? Holen wir ein neues Produkt dazu? Lassen sich die Prozesse in der Werkstatt noch einfacher ge­stalten?

Darf man als Geschäftsführer noch lernen?

Man muss – besonders wenn man noch so jung ist (lacht). Weil jede Minute etwas anderes ist, steh ich oft unter Strom und reagiere dann nicht immer perfekt. Gerade da lerne ich täglich dazu und ver­traue darauf, dass das Team weiß, wann es besser ist, mal kurz auf Durchzug zu stellen. Manche haben schon drei Generationen Oechsle als Geschäftsführer er­lebt und sind trotzdem noch bei uns …

War das klar, Dein Platz im Familienbetrieb?

Für mich nicht. Nach der Ausbil­dung wollte ich weg, dorthin, wo du am längsten fliegen musst -also Neuseeland. War klasse, lief jedoch nicht immer so, wie ich mir das vorgestellt habe. Es gab Tage, da hatte ich keinen Cent mehr, aber Hunger. Daheim an­zurufen, dafür war ich zu stolz. Verloren hab ich mich nie gefühlt, auch wegen der fürsorgli­chen Art, die mir viele Menschen gezeigt haben: in Queenstown hat mich ein Unbekannter auf eine Pizza eingeladen und mir für zwei Wochen eine Bleibe angeboten.

Phillipe Schutzenbach: Du Stefan, ich bestell’ Dir jetzt ganz fürsorglich einen Flammku­chen, aber wenn ich Dich mit nach Hause bring, krieg ich Ärger.

Wäre das auch etwas für Ihre Kommunikation?

Mein Interview mit Stefan Oechsle erschien als Anzeige in der Regionalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten. Rund wird das Konzept dieses sehr persönlich gehaltenen Formats durch die Bildsprache von ingridhertfelder.com und Dank des Editorial Designs von johannesdecker.de.

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